Fundstücke

„Du bist ein Held für mich!“

2019 erhielt Katrin Möller ein Spenderherz. Seit einiger Zeit erzählt sie als spenderherzkati.2019 auf Instagram von den Höhen und Tiefen in ihrem Leben und macht so auch auf das Thema Organspende aufmerksam. Wie ihre Kindheit und Jugend verliefen und weshalb eine Transplantation für sie zwingend nötig war, schildert sie in ihrer persönlichen Geschichte.

Lebensritter: 2019 wurde Ihnen ein Spenderherz transplantiert. Sie hatten bis dahin schon sehr viel in Ihrer Kindheit erlebt, unter anderem wurde Blasenkrebs diagnostiziert, als Sie gerade einmal zwei Jahre alt waren. Dieser konnte mithilfe einer Operation und einer Chemotherapie besiegt werden. Wie haben Sie Ihre Kindheit und Jugend bis zur Transplantation in Erinnerung?

 

Katrin Möller: Nachdem ich den Krebs besiegt habe, kann ich mich an eine unbeschwerte Kindheit erinnern. Ich bin normal in den Kindergarten gegangen, habe die Schule besuchen können und habe sogar fünf Jahre Handball gespielt. Ich habe viel Sport in meiner Kindheit betrieben und war viel draußen, umso schlimmer habe ich meine Jugend im Kopf. Nachdem ich mit zwölf Jahren die Diagnose einer schweren Herzinsuffizienz bekam, wurde es für mich Jahr für Jahr schwieriger. Weitere zwei Jahre später kam dann noch Lungenhochdruck dazu. Ich habe mich zurückgezogen, weil ich oft nicht hinterherkam, wie zum Beispiel beim Shoppen. Meine geliebten Sportaktivitäten musste ich auch aufgeben. Ich habe meine Jugend weitgehend in meinem Zimmer verbracht oder an der Ostsee an einem besonderen Ort, der mir auch heute noch viel Kraft gibt.

Katrin mit zwei Jahren nach der Krebsdiagnose und während der Behandlung.

Lebensritter: Die Chemotherapie schädigte Ihr Herz. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie ohne ein Spenderorgan nicht überleben werden?

 

Katrin Möller: Mir wurde relativ spät bewusst, dass ich ohne Spenderherz nicht überleben würde. Dieses Thema kam nie zu Wort und erst als ich im Januar 2019 mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kam, wurden meine Familie und ich schnell mit dem Thema konfrontiert. Für uns, aber vor allem für mich war das sehr irreal, weil es mir im Verhältnis zu anderen deutlich besser ging und ich auch vorher normal zur Schule gegangen bin. Ich dachte lange, das wäre alles nur ein Traum.

Es gab ein ständiges Hin und Her, ob ich ein neues Herz und zusätzlich eine neue Lunge brauche, oder in meinem Zustand überhaupt keine Organtransplantation möglich wäre. Letztendlich ging es zunächst zur Reha, bei welcher ich zunehmen musste und meine Lungenwerte sich wieder erholten. Dennoch wurde ich auf die Hochdringlichkeitsliste gesetzt und wartete drei Monate auf ein Spenderherz.

Katrin kurz vor der Herztransplantation.

Lebensritter: Wie geht es Ihnen heute und was hat sich für Sie verändert?

 

Katrin Möller: Mit meinem Spenderherz geht es mir sehr gut. Im ersten Jahr hatte ich eine Abstoßung, doch seitdem sind meine Herzwerte gut. Ich habe mir leider vor zweieinhalb Jahren das Epstein-Barr-Virus eingefangen und seitdem kämpfe ich dagegen. Als Transplantierte ist dieses Virus leider gefährlich, denn durch mein geschwächtes Immunsystem kann sich schneller Krebs entwickeln. [Anm. Lebensritter: Das Epstein-Barr-Virus ist ein weitverbreitetes Virus, das zur Familie der Herpesviren gehört.] Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören, mein Leben mehr wertzuschätzen und dankbarer für kleine Dinge zu sein. Es ist auch mit einem Spenderherz nicht immer einfach, aber es ist das Beste, was mir je passiert ist, denn ich darf leben. Leben und wundervolle Momente erleben!

Lebensritter: Immunsuppressiva sorgen dafür, dass das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Wie viele Tabletten müssen Sie täglich einnehmen?

 

Katrin Möller: Ich nehme täglich 17 Tabletten ein, 8 verschiedene Medikamente. Die Immunsuppressiva nehme ich alle zwölf Stunden. Ich nehme schon Medikamente, seit ich zwölf Jahre alt bin, doch hier steckt noch mehr Verantwortung hinter. Es geht schließlich darum, dass mein Spenderherz so lange wie möglich in meinem Körper schlägt.

Katrin ein Tag nach der Herztransplantation.

Lebensritter: Sprechen Sie oft über das Thema Organspende, auch außerhalb von sozialen Netzwerken wie Instagram?

 

Katrin Möller: Ich spreche sehr oft mit Freunden und Familie über das Thema Organspende. Für mich ist das Thema täglich präsent. Wir haben ein Ferienhaus, das wir auch vermieten, und da habe ich einen Aufsteller mit Organspenderausweisen aufgestellt. Ich durfte meine Geschichte in einer Zeitung sowie in einem kleinen Film erzählen. Ich würde mich gerne noch mehr außerhalb der sozialen Medien mit dem Thema befassen und es mehr an die Menschen bringen.

„Ich spreche sehr oft mit Freunden und Familie über das Thema Organspende.“

Lebensritter: Was wünschen Sie sich rund um das Thema Organspende in Deutschland?

 

Katrin Möller: Ich würde mir sehr wünschen, dass sich in Deutschland die Situation zum Thema Organspende positiver entwickelt und wir endlich die Widerspruchslösung erhalten. Organspende darf kein Tabuthema mehr sein und sollte viel präsenter in der Gesellschaft verankert sein, zum Beispiel dadurch, dass das Thema im Schulunterricht besprochen wird.

Lebensritter: Was würden Sie Ihrer Spenderin beziehunsweise Ihrem Spender gerne sagen?

 

Katrin Möller: Ich habe den Angehörigen meines Spenders einen Brief geschrieben, um Danke zu sagen. [Anm. Lebensritter: Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bietet die Möglichkeit, einen Brief zu schreiben, der anonymisiert an die Angehörigen versendet wird.] Ich würde meinem Spender gerne sagen, dass er mein Leben gerettet hat und ich so dankbar bin, am Leben zu sein. „Ich werde immer auf dein Herz aufpassen und so lange kämpfen, bis ich jeden Kampf, der kommt, gewonnen habe. Du bist ein Held für mich!“

„Ich habe den Angehörigen meines Spenders einen Brief geschrieben, um Danke zu sagen.“

#OrganspendeGeschichten

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