Menschen

Milena K. im #StayAtHome-Interview

Ein neues Herz, eine neue Niere und die Erkrankung Hepatitis E – Milena K. hat einiges durchgestanden. Trotz dieser Schicksalsschläge konnte sie sich ihr lebensfrohes Gemüt bewahren. Schon als wir sie 2019 interviewten, saß uns eine taffe junge Frau gegenüber, die viel positive Energie ausstrahlt. In ihrem Blog teilt sie ihre Geschichte, um anderen Mut zu machen.


Hier geht’s zum schriftlichen Interview „In meinem Körper sind wir zu dritt!“ und hier zum Videointerview.


Das Coronavirus sorgt weltweit für Verunsicherung – so auch bei der Optimistin Milena. Ein Bericht aus dem Alltag einer Risikopatientin ...

Milena K. verbringt momentan viel Zeit in der Natur.
Milena K. verbringt momentan viel Zeit in der Natur.

CORONA-ZEIT


Anfangs habe ich es ehrlich gesagt so empfunden, dass die Situation gar nicht allzu viele Änderungen für Transplantierte mit sich ziehen wird. Wir müssen uns schließlich ein Leben lang an gewisse Regeln und Vorsichtsmaßnahmen halten.


Gerade im Winter zu den Zeiten der Grippe-Welle. In Arztpraxen und Kliniken einen Mundschutz tragen, ständiges Händewaschen, Sterillium immer in der Handtasche und größere Menschenmengen, vor allem in geschlossenen Räumen, meiden.


Doch sollte es anders kommen, mit Ausmaßen, die niemand absehen konnte, kann und wird.


Wie derzeit sicher jeder, vermisse ich die Freiheit und die Möglichkeit, einfach das zu tun, worauf man gerade Lust hat. Als Transplantierte/r ist man in der Vergangenheit oft genug geprüft worden, sich in Geduld zu üben und auf vieles zu verzichten.


Durch ein Spenderorgan haben wir diese Freiheit weitestgehend zurückbekommen. Jeder Tag wird seither als Geschenk angesehen. So wie viele Menschen zur jetzigen Zeit, wurden wir durch unsere persönlichen Krankengeschichten schon einmal wachgerüttelt, haben einen Blick auf die wirklich wichtigen Dinge erhalten. Viele nehmen ihr Leben seither bewusster wahr und genießen jeden Moment intensiver.


Klar, die momentane Zeit ist ungewiss und beunruhigend. Man muss auf vieles verzichten, sei es, sich „nur“ mal eben auf einen Kaffee treffen.


Seit Wochen habe ich so gut wie keinen persönlichen Kontakt zu meinen Freunden. Außer vielleicht kurz an Geburtstagen, im Freien und natürlich nur mit meiner – mir heiligen – FFP3-Maske. Dank ihr, kann ich Arzttermine und Apothekenbesuche beruhigter wahrnehmen.


Aufgrund der Tatsache, dass ich Rentnerin auf Zeit bin, werde ich zumindest durch eine Arbeit nicht noch zusätzlich einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Die Einkäufe übernimmt meine Mutter. Wohl ist mir bei dem Gedanken ganz und gar nicht. Sie ist zwar noch sehr fit, zählt aber mit 68 Jahren und aufgrund der Lebendnierenspende ebenfalls zur Risikogruppe.


Sehr betroffen macht mich die Situation zwischen Enkeln und Großeltern. Auch wenn es mich nicht persönlich trifft, stelle ich es mir doch unerträglich vor. Mein sechsjähriges Patenkind sehe ich momentan einmal in der Woche. Wir haben einen Muffin-Tag ausgemacht, an dem er bei mir am Küchenfenster vorbeikommt und die gefüllte Vorratsdose abholt. Eine schöne Abwechslung für uns beide.


Mein Glück und ein wenig Abwechslung finde ich – neben dem Backen – derzeit hauptsächlich in der Natur. Ich habe mich wieder intensiver der Fotografie gewidmet, unternehme zusammen mit meiner Mutter Radtouren und genieße es, mich frei bewegen zu können.

Bei der letzten Blutabnahme hatte ich nämlich leider sehr schlechte Nierenwerte. Um ehrlich zu sein, die schlechtesten seit der Transplantation. Schlagartig trat das Thema Corona für mich persönlich komplett in den Hintergrund. Wie schnell sich wieder alles binnen Sekunden ändern kann. Zum Glück hat eine wiederholte Kontrolle eine Besserung angezeigt.


Dieser Einschnitt jedoch lässt mich erneut noch bewusster werden.


An die Zukunft denke ich so gut wie gar nicht. Ich lebe im Hier und Jetzt, versuche das Beste aus der Situation zu machen. Ich hoffe aber sehr stark, dass schnellstmöglich ein Impfstoff entwickelt wird, damit alle wieder ein unbeschwerteres Leben führen können ... mit der kompletten Familie, allen Freunden, Umarmungen, Lachen, Reisen. Ich hoffe, dass der Satz „lass uns mal eben auf einen Kaffee treffen“ wieder zur Normalität gehört, die wir dann aber sicher mit ganz anderen Augen sehen werden.


Passt gut auf Euch auf, bleibt gesund, stark und optimistisch.

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