Fundstücke

„Meine neue Leber ist ein Geschenk von unbezahlbarem Wert“

Der erste Transplantationstermin verlief nicht wie geplant, das Operationsteam hatte während der Entnahme des Spenderorgans Krebszellen entdeckt. Und so verließ Kevin Stübler die Klinik wieder. Trotzdem gab er die Hoffnung nicht auf. Es war eine Zeit voller Höhen und Tiefen, aber auch eine, in der ihm viel Rückhalt aus seiner Familie und von seiner Partnerin zuteilwurde.

Heute, vier Monate nach dem Eingriff, fühlt der junge Mann sich schon wie ein neuer Mensch – vor allem körperlich fit und mental ausgeglichen.

Lebensritter: Sie haben am 22. Februar 2022 eine neue Leber erhalten. Wie kam es dazu, dass Sie ein Spenderorgan benötigten?

 

Kevin Stübler: Bei mir wurde vor vielen Jahren eine seltene Autoimmunerkrankung diagnostiziert. Diese lässt sich zum heutigen Stand nicht mit Medikamenten heilen. Es kann nur das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden.

Es stand dann irgendwann fest, dass ich bald eine neue Leber benötigen würde. Nach vielen Untersuchungen wurde ich schließlich auf die Warteliste für ein neues Organ aufgenommen.

Kevin Stüblers Antworten gibt es auch im Video.

Lebensritter: Im Januar 2022 waren Sie zum ersten Mal in der Klinik und sollten eine neue Leber erhalten, die Transplantation wurde aber kurzfristig abgesagt. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

 

Kevin Stübler: Ich wurde um 5:30 Uhr durch einen Anruf auf meinem Handy geweckt, worüber ich zunächst verwirrt war – wer ruft so früh am Morgen schon an?

 

Man gibt ja alle möglichen Telefonnummern an, sodass man sicher rund um die Uhr erreichbar ist. Die Uniklinik teilte mir dann mit, dass ein passendes Organ bereitsteht. Drei Minuten später saß ich bereits zusammen mit meiner Partnerin im Auto und wir fuhren Richtung Uniklinik.

 

Es wurden erneut einige Untersuchungen durchgeführt, um zu überprüfen, ob ich auch tatsächlich gesundheitlich transplantabel bin. Dann teilte man mir mit, dass der Spenderin bzw. dem Spender derzeit die Organe entnommen werden. Ich wartete also in meinem Zimmer auf die bevorstehende OP. Etwas später kam dann ein Arzt und sagte, dass man bei der spendenden Person Krebszellen an anderen Organen entdeckt hatte.

 

Das Spenderorgan zu transplantieren, wäre mit einem hohen Risiko verbunden gewesen und so musste ich die Klinik leider ohne Transplantation wieder verlassen.

Meine Enttäuschung war natürlich sehr groß, aber ich hatte die Hoffnung trotzdem nicht verloren, ein passendes Spenderorgan zu erhalten.

Lebensritter: Wie lange mussten Sie insgesamt warten?

 

Kevin Stübler: Ich musste insgesamt acht Monate auf ein passendes Organ warten. Diese Zeit war von vielen Höhen und Tiefen geprägt.

 

Lebensritter: Was hat Ihnen in dieser Zeit Kraft gegeben?

Kevin Stübler: Meine Partnerin, meine Mutter, mein Stiefvater, meine Geschwister und Freunde waren in dieser Zeit eine große Unterstützung für mich und haben mir bei viele Dingen sehr geholfen.

„Ich musste insgesamt acht Monate auf ein passendes Organ warten. Diese Zeit war von vielen Höhen und Tiefen geprägt.“

Lebensritter: Wie geht es Ihnen aktuell und wie hat die Transplantation Ihr Leben verändert?

 

Kevin Stübler: Mir geht es seit der Transplantation bestens! Diese liegt nun zwar erst vier Monate zurück, ich fühle mich aber bereits wie ein anderer Mensch.

 

Die verantwortlichen Professoren, Chirurgen und Ärzte aus der Uniklinik Tübingen sind auch alle sehr erfreut, wie schnell und gut meine Genesung verläuft – ich war und bin dort in den besten Händen. Körperlich fühle ich mich mittlerweile auch wieder so fit wie zuvor, sogar stundenlange Wanderungen kann ich wieder ohne Probleme zurücklegen.

 

In den letzten Monaten, auch während der Zeit im Krankenhaus, hatte ich insgesamt 15 Kilo verloren und galt bei meiner Körpergröße als untergewichtig. Das verlorene Körpergewicht konnte ich nach der Transplantation aber sehr schnell wieder aufbauen.

 

Allgemein bin ich auch auf mentaler Ebene deutlich entspannter geworden. Die letzten Jahre hatte ich oft mit Ängsten und Bedenken zu kämpfen, wie es wohl in der Zukunft weitergehen wird. Ich wusste ja auch, dass es irgendwann so weit sein kann und habe viel zum Krankheitsverlauf recherchiert.

Derzeit meide ich noch größere Menschenansammlungen, um einer Infektion einfach aus dem Weg zu gehen. Ein gesunder Lebensstil ist natürlich ebenfalls wichtig.

„Körperlich fühle ich mich mittlerweile auch wieder so fit wie zuvor, sogar stundenlange Wanderungen kann ich wieder ohne Probleme zurücklegen.“

Lebensritter: Sogenannte Immunsuppressiva sorgen dafür, dass das fremde Organ von Ihrem Körper nicht abgestoßen wird. Wie viele Tabletten müssen Sie täglich einnehmen?

Kevin Stübler: Meine anfängliche Dosis der Immunsuppressiva hat sich mittlerweile etwas reduziert. Zusammen mit anderen Medikamenten, die ich morgens und abends einnehmen muss, komme ich auf etwa neun bis zehn verschiedene Tabletten. Manche Medikamente werden in den kommenden Monaten aber auch noch wegfallen.

Lebensritter: Sprechen Sie eigentlich oft über das Thema Organspende?

 

Kevin Stübler: Ja, ich versuche, viel auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen, sodass sich mehr Menschen mit diesem wichtigen Thema beschäftigen. Ich weiß, dass ich großes Glück hatte und hoffe, dass sich zukünftig mehr Personen für eine Organspende entscheiden. Viele Freunde und Bekannte haben sich durch meinen Fall einen Organspendeausweis zugelegt.

Über Social Media bin ich auch mit anderen Betroffenen im Austausch und versuche, Ihnen Mut zu machen. Mich haben ebenfalls viele Menschen in dieser schweren Zeit aufgebaut und mir meine Ängste genommen.

„Ich weiß, dass ich großes Glück hatte und hoffe, dass sich zukünftig mehr Personen für eine Organspende entscheiden. Viele Freunde und Bekannte haben sich durch meinen Fall einen Organspendeausweis zugelegt.“

Lebensritter: Was wünschen Sie sich rund um das Thema Organspende in Deutschland?

 

Kevin Stübler: Natürlich, dass sich viel mehr Personen einen Organspendeausweis zulegen und ihren persönlichen Wunsch innerhalb der Familie besprechen.

Es gibt Studien, die belegen, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung tendenziell für eine Organspende ist, dieses aber oft nicht schriftlich dokumentiert. Ebenfalls hoffe ich, dass sich die Politik nochmals dem Thema Widerspruchslösung widmet und sich diese Lösung dann hoffentlich auch durchsetzt.

Lebensritter: Was würden Sie Ihrer Spenderin bzw. Ihrem Spender gerne sagen?

 

Kevin Stübler: Ich würde mich natürlich von ganzem Herzen dafür bedanken, dass sie bzw. er sich zu Lebzeiten für die Organspende entschieden hat – für mich ein Geschenk von unbezahlbarem Wert. Und ich würde ihr oder ihm sagen, dass ich dieses Organ bestmöglich beschützten werde.

„Ich würde mich natürlich von ganzem Herzen dafür bedanken, dass sie bzw. er sich zu Lebzeiten für die Organspende entschieden hat – für mich ein Geschenk von unbezahlbarem Wert.“

Weitere Details zu Kevin, sind auf seinem Instagram-Profil zu erfahren.

#OrganspendeGeschichten

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