Fundstücke

Ein ,Danke‘ reicht nicht aus

Wie dramatisch sich das Leben von jetzt auf gleich wandeln kann, hat Familie Wiebe Anfang 2022 erfahren müssen, als es ihrem sonst sehr lebhaften Sohn Felix ganz plötzlich sehr schlecht ging. Schnell wurde klar: Felix benötigt ein Spenderherz. Diese Nachricht veränderte erstmal alles. Aber der Kleine hat es geschafft. Nach vielen schweren Monaten genießt die Familie nun die neu gewonnene, gemeinsame Zeit an ihrer „geliebten Ostsee“ – und Felix kann wieder am Strand herumtoben.

Lebensritter: Im Januar 2022 wurde Felix von seinem Kinderarzt mit Verdacht auf eine Tachykardie, also Herzrasen, ins Krankenhaus geschickt. Wie kam es zu dieser plötzlichen Diagnose?

Anja Wiebe: Felix ist bis zum Morgen des 9. Januars 2022 noch durchs Haus geflitzt. Mittags hatte er plötzlich keinen Hunger mehr und abends musste er sich bereits einmal übergeben. Später kam dann eine schwere Atmung hinzu. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Kinderarzt, der dann eine Herzfrequenz von fast 150 feststellte und den Verdacht auf Tachykardie äußerte.

Lebensritter: Gab es zuvor irgendwelche Anzeichen für eine Erkrankung?



Anja Wiebe: Nein, die gab es nicht. Felix war zwar über den Herbst und Winter immer mal wieder krank, wurde aber nach diversen Besuchen beim Kinderarzt vermeintlich wieder gesund.

Nur der Husten wollte nie so ganz verschwinden, weswegen wir den Kinderarzt auch ständig wieder aufsuchten.

Lebensritter: Wie ging es danach im Krankenhaus weiter? Wann wurde Ihnen bewusst, dass Ihr Sohn ein Spenderherz benötigen würde?

 

Anja Wiebe: Die erste Nacht im örtlichen Krankenhaus war geprägt von Übelkeit und Erbrechen. Am nächsten Tag stellte man auf einem Röntgenbild fest, dass Felix‘ Herz stark vergrößert war.

Sofort wurden wir mit einem Rettungswagen ins Herzzentrum Kiel gebracht. Dort verschlechterte sich Felix‘ Zustand leider nochmal enorm, sodass er mit einem Hubschrauber der Bundeswehr ins Deutsche Herzzentrum Berlin geflogen wurde.

Dass unser Sohn definitiv ein neues Herz benötigen würde, stellte sich erst drei Monate später heraus.

„Dass unser Sohn definitiv ein neues Herz benötigen würde, stellte sich erst drei Monate später heraus.“

Lebensritter: Wie haben Sie die Wartezeit erlebt – auch als Familie?

Anja Wiebe: Rückblickend hatten wir eine überwiegend schöne Zeit im Krankenhaus.

Ich blieb mit Felix im Krankenhaus und mein Mann pendelte mit unserem Großen jedes Wochenende zwischen dem Krankenhaus und unserem Zuhause hin und her. Die Trennung war für uns alle schwierig.

„Rückblickend hatten wir eine überwiegend schöne Zeit im Krankenhaus.“

Lebensritter: Kurz vor dem jährlichen Tag der Organspende überraschte die Berliner Feuerwehr Felix im Krankenhaus. Wie kam es zu dieser tollen Aktion und wie war dieser Tag für Sie und Felix?

Anja Wiebe: Eine Schwester hatte den Kontakt zur Berliner Feuerwehr hergestellt und war dort auf zwei Herzensmenschen getroffen. So kam die Aktion schließlich richtig ins Rollen. 


Anmerkung Lebensritter/Hintergrund zur Aktion:

Als die Berliner Feuerwehr Felix‘ Geschichte hörte und erfuhr, dass der Junge nur wenige Kilometer entfernt im Herzzentrum Berlin auf ein neues Spenderherz wartete, entstand eine berührende Idee: Sie überraschten den Dreijährigen im Krankenhaus und rückten dazu mit Fahrzeugen und Drehleiter an. Für ein paar Stunden durfte Felix an diesem Tag Feuerwehrmann spielen, womit ein großer Traum in Erfüllung ging.

Mehr zu der Aktion ist auf den Seiten der Berliner Feuerwehr nachzulesen.


Anja Wiebe: Es war ein unvergesslicher Tag, der uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

„Es war ein unvergesslicher Tag, der uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.“

Lebensritter: Im Juli 2022 erhielt Felix ein neues Herz: Wie haben Sie diesen Moment in Erinnerung?

Anja Wiebe: Wir konnten es nicht fassen, dass es jetzt wirklich so weit ist. Wir hatten mit einer viel längeren Wartezeit gerechnet.

„Wir konnten es nicht fassen, dass es jetzt wirklich so weit ist. Wir hatten mit einer viel längeren Wartezeit gerechnet.“

Lebensritter: Wie geht es Felix jetzt nach der Transplantation?

Anja Wiebe: Ich mag es eigentlich gar nicht laut sagen – da bin ich etwas abergläubisch und habe Angst, es könnte doch anders laufen –, aber es geht ihm richtig gut. Die Heilung verläuft bislang wie im Bilderbuch.

Lebensritter: Was würden Sie der Spenderin bzw. dem Spender gerne sagen?

Anja Wiebe: Dass wir unendlich dankbar sind, für diese schwere Entscheidung.

Vermutlich aber würde ich die Familie einfach in den Arm nehmen, denn ein „Danke“ reicht, wenn man mal ehrlich ist, eigentlich nicht aus.

Lebensritter: Was wünschen Sie sich rund um das Thema Organspende in Deutschland?



Anja Wiebe: Ich wünsche mir, dass das Thema Organspende bei den Menschen viel präsenter wird.

Es sollte kein Tabu sein, darüber zu sprechen. Letztendlich redet man schließlich nicht davon, zu sterben, sondern trifft für den Fall der Fälle eine Entscheidung. Und diese kann das Leben vieler Menschen retten.

Lebensritter: Was werden Sie als Erstes tun, wenn Sie wieder zu Hause sind?

Anja Wiebe: An unsere geliebte Ostsee fahren.

Wie es Felix und seiner Familie aktuell geht, kann auf dem Instagram-Profil von Anni und Felix verfolgt werden.

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